Warnung vor
selbstklebenden Straßen, Plätzen und Parkplätzen pp. aus Kunststofffolie.
Wer Straßen und Plätze nicht selbst modelliert und gestaltet, findet bei verschiedenen Herstellern -zum Beispiel Busch, Noch, Faller und Vollmer- ein umfangreiches Angebot an Straßen, Kurven, Plätzen und Parkplätzen; meistens selbstklebend und mit Fahrbahn- und Parkbegrenzungen verse-hen.
Diese fertigen, jedoch mit einer Schere oder einem scharfen Bastelmesser beliebig zuschneidbaren und durch ihre Flexibilität vielseitig verlegbaren Straßen, Plätze und Parkplätze werden in zwei sehr unterschiedlichen Materialen angeboten:
- Selbstklebender Krepp
als Asphalt- oder Betonnachbildung
- Selbstklebende Kunststofffolie
als Asphalt- oder Betonnachbildung
Auf dem ersten Blick ist man geneigt, sich für die optisch elegant und ansprechender anmutende und vermeintlich einfacher zu verarbeitende Kunststofffolie -zum Beispiel Busch 7081, 7085, 7087; Noch 34200, 34201, 34203, 34204; Faller 170632, 272458; Vollmer 7356, 7357, 6020- zu entscheiden. Der erfahrene Modellbauer wird aber gerade auf dieses Material aus gutem Grund verzichten und sich eher für fein strukturiertes Kreppmaterial –zum Beispiel Noch 44070, 44100, 44150- entscheiden, das er gegebenenfalls mit Straßenfarbe (Heki 6600, 6601; Noch 60820; Faller 180506, 180507) nacharbeiten kann/muss, um zu einem optisch optimalen Ergebnis zu kommen.
Der gravierende Nachteil der Kunststofffolie liegt darin, dass sie spätestens nach zwei Jahren anfängt, zu altern und sich zu zersetzen. Jede Berührung mit dem Finger führt dann zu einem nicht reparablen Schaden. Auf der Straße mit dem Finger auch nur leicht entlang zu fahren, bedeutet, dass fast das komplette Straßenmaterial abgerieben wird.
Alle Versuche, diesen Prozess auf chemischem Wege zu verhindern oder wenigstens aufzuhalten, waren erfolglos. Haarfestiger, matter Lack, Firniss; alles vergebliche Müh‘.
Auch der Versuch, diese Schadstellen mit Farbe zu überdecken, bringt keinen, den ernsthaften Modellbahnbauer befriedigenden Erfolg. Sobald die Farbe trocken ist, löst sie sich nämlich vom Straßenmaterial bzw. dessen verbliebenen Resten ab. Das Ganze sieht dann aus, als sei die Straße ‘ausgedörrt‘ und das Pflaster hochgekommen. Wenn das nicht so extrem wäre, könnte man mit gutem Willen aus den Farb’fladen‘ vielleicht noch einen gewollten Effekt ableiten. Im Falle der Spur Z sind die Ablösungen aber so hoch, dass sie -bezogen auf Preiserfiguren- knie- oder sogar fast hüfthoch sind; und auf so einem Belag fährt auch in Natura kein Auto mehr.
Eine Reparatur sich im Zersetzungsprozess befindlicher Folienstraßen und –plätze ist nur in dergestalt möglich, dass man die betreffende Stelle ganz vorsichtig und dünn mit Ponal betupft und dann feinstes Streumaterial –zum Beispiel Heki 3227- darüber gibt und mit dem Zeigefinger sachte festdrückt. Das sieht dann so aus, als sei eine Asphaltstraße stellenweise ausgebessert worden. Wenn es aber zu viele und zu große Straßenstellen sind, die ausgebessert werden müssen, sollte man die Straße im wahrsten Sinne des Wortes sperren und einen vollständig neuen Belag auftragen; aber bitte um Himmels Willen nicht wieder eine Kunststofffolie. Feinstes Kreppmaterial –zum Beispiel Noch 44100, 44150, 44070- ist vielmehr die einzig sinnvolle Alternative; wenn man nicht gleich mit Spachtelmasse und Straßenfarbe arbeiten will.
Warum die Industrie überhaupt noch Straßen und Plätze aus Kunststofffolie anbietet und damit ihr eigenes (fachliches) Image beschädigt, weil sie ihren Kunden, insbesondere unerfahrenen Anfängern, wissentlich ärgerliche Probleme in der beschriebenen Form zumutet, ist unerklärlich. Dass man herstellerseitig von dem katastrophalen und unvermeidbaren Alterungs- bzw. Zersetzungsprozess des angebotenen Straßen- und Platzmaterials aus Kunststofffolie nichts weiß, ist jedenfalls nicht vorstellbar.

Beginnende Zersetzung einer Straßenfolie.

‘Vorsichtiger‘ Versuch, Straßenfolie mit Straßenfarbe zu reparieren bzw. zu überarbeiten.

Hier erreicht die Höhe der abgelösten Straßenfarbe bereits ein nicht mehr
akzeptables Niveau.

Mit Straßenfarbe reparierte Straßenfolie. Die Farbe ist nach dem Antrocknen hoch gequollen und daher mit einem glatten Stift wieder niedergedrückt worden. Man sieht jedoch auf der linken Fahrspur, dass sie sich bereits wieder ablösen will.
Ganz oben rechts ist zu sehen, wie sich die Straßenfolie aus Kunststoff fast vollständig zersetzt hat.

Über einer zersetzen Straßenfolie verlegte Kreppstraße. Oben sieht man noch eine Kante der alten Straßenfolie, die etwas breiter ist als das Kreppmaterial. Um nicht die alte Folie ganz entfernen zu müssen, wurde hier aus der Not eine Tugend gemacht:
Der schmale Folienstreifen wurde zu einem Fahrradweg. Aber bitte bloß nicht berühren oder mit dem Finger reiben; zum Beispiel, um Staub zu entfernen.
Die gebogene Straße unten zeigt optimal verlegtes Kreppmaterial auf üblichem Holzuntergrund.